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Freitag, 28. Juni 2013

MOOCs = User Generated Education

Auf einer Tagung von eTeaching.org in Tübingen ging es kürzlich u.a. um zwei Fragen:
Erstens: Wie sind MOOCs aus Sicht der eLearning Experten eigentlich zu beurteilen: Als nächste eLearning Entwicklungsstufe, als alter Wein in neuen Schläuchen, als Medieneffekt?
Zweitens um die Frage, weshalb das Phänomen MOOC von der eLearning Community häufig so eigentümlich  kritisch bis naserümpfend betrachtet wird, ja z.T. sogar einfach als "The next big Hype" nach Second Life usw. abgetan wird?

Aus meiner Sicht gibt es dafür einen wesentlichen Grund: MOOCs sind keine - irgendwie besonders populäre - Variante des eLearnings sonden vielmehr eine nächste Entwicklungsstufe von Social Media und Web 2.0. Nach dem Handel, nach der Unterhaltungsindustrie und nach den Verlagen ist jetzt sozusagen der Bildungsbereich dran: Die User übernehmen das Ruder. Sie machen wenn man so will das Studium selber. Und sie brauchen dazu - zugespitzt formuliert - keine Universitäten und Institutionen mehr, es genügt der Internet-Zugang. In anderen Worten: Es geht um User Generated Education. Die wichtgsten Player (und Treiber) sind einerseits ambitionierte Lehrende und Profs, wie z.B. Salman Kahn  oder Sebastian Thrun und andererseits "The Crowd": Hundertausende Studenten und andere Bildungsinteressierte, die sich - überwiegend aus rein intrinischem Interesse - einfach anmelden un
d dann schauen, wie weit die Lern-Lust trägt - egal ob ihnen das von einem "befugten" Lehrer oder Professor geraten wurde oder nicht. Auch wenn die Analogie nicht 100% stimmt: So wie Amazon die Welt des Handels, Facebook die der sozialen Beziehungen, so wie iTunes die Unterhaltungsindustrie, Twitter den Journalismus und Wikipedia die Fachverlage ins Internet übersetzt haben, so machen es nun coursera, udacity, edX und andere für die (Higher) Education. Ist das eLearning? Wen kümmerts! Ist das didaktisch gut? Egal, Hauptsache es funktioniert irgendwie. Ist das ein Hype (soll heißen: Werden wir mal wieder von Medien und vermeintlichen US-amerikanischen Menschheitsbeglückern verarscht)? Und wenn schon - auch der Hype schafft Realität.

Zugegeben: Social Media in der heutigen Form gäbe es nicht ohne den massiven Kapitaleinsatz überwiegend amerikanischer VCs, die einzelnen Unternehmern und Unternehmen geradezu traumhafte Entwicklungen beschert haben. Ob - und welche - social education ventures zum "Amazon" der Higher Education werden, kann derzeit niemand sagen. Sicher ist nur, dass social education genauso wenig wieder verschwinden wird wie social networking oder Online-Handel. (Was selbstverständlich nicht den Anfang von Ende der Universitäten bedeutet).


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